Steinkauz-Projekt Rems-Murr

Der Steinkauz - unser Göttervogel

Schon die Griechen in der Antike wussten es: Die kleine Eule mit dem klugen Blick ist ein besonderer Vogel. Sie erkoren den Steinkauz zum Symbol der Weisheitsgöttin Athene. So wurde er als Wappentier von Athen in Kunst und vor allem auf Münzen verewigt. Bis heute hat dieser sonderbare Vogel nichts von seiner Faszination verloren.

 

Zuhause in Obstbäumen

 

Bereits vor vielen Jahrhunderten dürfte der Steinkauz hier in der Gegend heimisch geesen sein. Schon seit der zeit der Kelten wurde in unserer Heimat Landwirtschaft betrieben. Spätestens die Römer sorgten für die Verbreitung des Obstbaus. unter König Wilhelm war es Carl Friedrich Schiller, der sich um den Obstbau in Württemberg bemühte.

 

Zeugen dieser jahrhundertealten Tradition sind heute viele Gebiete im Rems-Murr-Kreis mit Streuobstwiesen, sei es im Remstal, der Backnanger Bucht oder dem Schidener Feld. Die Mostbirnen die vielfach als Alleebäume Feldwege säumen, könnten uns viel aus der vergangenheit erzählen - manche von ihnen sind über 150 Jahre alt!

 

Gerade die großen Obstbäume mit ihren zum Teil hohlen Stämmen und die umliegenden Wiesen und Felder boten schon immer gute Lebensbedingungen für den Steinkauz: Bruthöhlen in den Bäumen und ein vielseitiges Nahrungsangebot.

 

Steckbrief Steinkauz - Athene noctua

  • Größe: ca. 20-22 cm, Spannweite 50-55 cm
  • Gestalt: klein und rundlich, großer Kopf, kurzer Schwanz, lange Beine
  • Färbung: Oberseite bräunlich mit weißen Tupfen, Unterseite hellbeige mit braunen Tupfen, Stirn mit weißen Stricheln, weiße "Augenbrauen", schwefelgelbe Augen
  • Nahrung: hauptsächlich (Feld-)Mäuse, aber auch Heuschrecken, Käfer, Regenwürmer, Eidechsen,...
  • Brut: ab Mitte April, ca. 2-5 Eier, ca. 1 Monat Bebrütung, danach Versorgung der Jungen 30-35 Tage im Nest, danach weitere 4-5 Wochen außerhalb
  • Lebensraum und Verbreitung: in ganz Mitteleuropa, schwerpunktmäßig in Südeuropa, auch Nordafrika; bewohnt offene Landschaften mit alten Bäumen und Baumgruppen

Verlust des Lebensraumes

In den Jahren nach dem Krieg fielen leider viele Streuobstbestände der Säge zum Opfer. Sie mussten weichen, um für Wohn- und Gewerbegebiete Platz zu machen. In den 50er und 60er Jahren wurden sogar Prämien für das Beseitigen von Obstbäumen ausbezahlt. Zahlreiche der alten Bäume waren ab den 80ern oft von Feuerbrand befallen und wurden fast panikartig gerodet, andere entwurzelte der Sturm.

 

Damit wurde der Lebensraum des Steinkauzes Stück für Stück kleiner. Die entscheidenden Gründe für seinen starken Rückgang sind zusammengefasst:

  • Verschwinden alter Höhlenbäume
  • Roden von Streuobstbeständen für Intensivobstbau oder Baugebiete
  • Rückgang von extensivem Grünland
  • Verluste durch Straßen

Eine Zukunft für die Käuze?

Überall im Rems-Murr-Kreis sind noch große Streuobstbestände erhalten geblieben: Vor allem im südwestlichen Bereich außerhalb der waldreichen Hügellandschaften, befinden sich ausgedehnte Obstwiesen und Gartengebiete. Einige liegen glücklicherweise weit genug außerhalb der Ortschaften, so dass sie nicht als potentielle Baugebiete gefährdet sind.

 

Doch viele Streuobstwiesen liegen direkt an den Ortsrändern und sind durch Bebauung und Zerschneidung durch Straßen stark gefährdet. Immer noch werden regelmäßig wertvollste Flächen durch Neubaugebiete ersetzt!

 

Ein weiteres Problem ist die Bewirtschaftung der Streuobstgrundstücke: Entweder werden sie gar nicht mehr gepflegt und wachsen zu, oder sie werden nur noch zu Freizeitzwecken genutzt. Leider werden immer noch viele der alten Bäume gefällt, obwohl das häufig nicht nötig wäre. Selbst wenn der junge Baum nachgepflanzt wird, braucht dieser mehr als ein Menschenleben lang, um den ökologischen Wert des alten Baumes zu erreichen.

 

Durch Information der Öffentlichkeit mit Exkursionen, Vorträgen, Zeitungsberichten, Ausstellungen, Plakaten uvm., bemüht sich der NABU auf die Problematik hinzuweisen.

 

Noch ist alljährlich im zeitigen Frühjahr der Ruf des Käuzchens in der Dämmerung zu hören. Doch damit diese kleine Eule auch für die Zukunft eine Überlebenschance hat, ist dringend aktives Handeln geboten.

Schutzkonzept

Über eines dürfen die in unserer Region noch relativ guten Bestände des Steinkauzes nicht hinwegtäuschen: Ohne menschliche Hilfe könnte diese Vogelart wohl kaum bei uns überleben. Zu viele Brutbäume sind schon von der Bildfläche verschwunden, ausreichend große Baumhöhlen sind kaum noch vorhanden. Eine Abhilfe bieten künstliche Nisthöilfen. Die ca. 1m langen Kauz-Röhren bieten gebug Platz für eine Steinkauzfamilie. Der NABU betreut im ganzen Kreis mehrere hundert dieser Steinkauzröhren und ist dankbar für die Bereitschaft, diese Nisthilfen aufhängen zu lassen.

 

Mindestens genauso wichtig ist der dauerhafte Erhalt der Obstwiesen. Besonders alte und auch hohle Bäume müssen so lange wie möglich stehen bleiben, denn sie sind unverzichtbar für zahlreiche Tierarten. Auch die regelmäßige, extensive Mahd erhält eine Vielzahl von Pflanzen und Insektenarten.

 

Im Grunde kann jeder von uns etwas tun. Denn durch den gezielten Kauf von Produkten aus Streuobstanbau wird diese traditionelle Form der Landschaftsnutzung gefördert - das kommt letztlich uns allen zugute. Ob es nun die gesunden Früchte, Äpfel, Kirschen, Mirabellen, Birnen und Zwetschgen sind oder natürlicher Fruchtsaft ist, oder der gute schwäbische "Moscht" oder auch ein Gläschen Birnenschnaps - alle diese Produkte garantieren dem Steinkauz und mit ihm einer vielfältigen Kulturlandschaft das Überleben.

Unterstützung

Um dem Steinkauz zu helfen, ist der NABU auf Ihre Unterstützung angewiesen! Dringend werden noch weitere Grundstücke gesucht auf denen man Steinkauz-Röhren aufhängen kann - Stücklesbesitzer bitte melden!

 

Genauso wichtig und willkommen sind Spenden, um die Nistkästen und Bäume zu finanzieren. Jeder Euro findet in unserem Projekt sinnvolle Verwendung! Ihre Spende hilft mit, dem Göttervogel Steinkauz eine Heimat bei uns zu bewahren. Überweisungen unter dem Stichwaort "Steinkauz" bitte auf das Konto 116 713 003 bei der Volksbank Backnang (BLZ 60291120).

 

Interessenten können sich jederzeit über die aktuelle Bestandsituation informieren oder auch mal zu einer Steinkauzkartierung mitkommen (Terminabsprache mit Projektleiter Michael Eick, Telefon 0711-9065090, michael.eick@NABU-BW.de).

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